Ein Geschäftskunde kontaktierte uns nach dem plötzlichen Ausfall einer Samsung 870 EVO mit 1 TB Speicherkapazität. Nach einem unerwarteten Stromausfall startete der Büro-PC nicht mehr. Die SSD wurde weder im BIOS noch über einen externen SATA-USB-Adapter korrekt erkannt.
Auf dem Laufwerk befanden sich geschäftskritische Daten, darunter Projektdokumente, Kundendaten, Buchhaltungsunterlagen, E-Mail-Archive und interne Arbeitsdateien. Von rund 930 GB belegtem Speicherplatz konnten im Rahmen der Datenrettung etwa 918 GB wiederhergestellt werden.
SSD wurde nach dem Stromausfall nicht mehr erkannt
Vor dem Stromausfall hatte die SSD ohne erkennbare Probleme funktioniert. Nach dem erneuten Einschalten war jedoch kein Zugriff mehr auf das Betriebssystem oder die gespeicherten Dateien möglich.
Weitere Tests zeigten:
- keine Erkennung im BIOS
- keine korrekte Modell- oder Kapazitätsanzeige
- kein Zugriff über einen externen Adapter
- keine Erkennung von Partitionen oder Dateisystemen
Da die SSD nicht mehr ordnungsgemäß mit dem System kommunizierte, war eine softwarebasierte Datenrettung nicht möglich.
Weitere Informationen zu typischen SSD-Schäden finden Sie in unserem Beitrag SSD defekt: Ursachen, Symptome und Möglichkeiten der Datenrettung.
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Technische Diagnose
Die Laboranalyse zeigte, dass die SSD nicht mehr korrekt initialisierte und keine Kommunikation über die SATA-Schnittstelle möglich war. Hinweise deuteten auf eine Störung im Controller-Initialisierungsprozess hin, wodurch Firmware und interne Datenzuordnung nicht geladen wurden.
Die NAND-Speicherbereiche selbst waren größtenteils intakt und weiterhin lesbar. Die Herausforderung lag daher in der fehlenden logischen Zuordnung der Daten. Unter Laborbedingungen konnte ein stabiler Zugriff hergestellt und die Grundlage für die Datenrekonstruktion geschaffen werden.
Ablauf der Datenrettung
Die Wiederherstellung erfolgte in mehreren kontrollierten Arbeitsschritten.
Elektronische Diagnose
Zunächst wurden die Stromversorgung, die Platine und die relevanten elektronischen Komponenten der SSD überprüft. Dabei wurde festgestellt, dass die SSD nicht mehr regulär initialisierte.
Stabilisierung des Laufwerks
Die Stromversorgung und das Betriebsverhalten wurden stabilisiert, um weitere Zustandsveränderungen während der Analyse zu vermeiden.
Erfassung der lesbaren Speicherbereiche
Da der reguläre Zugriff über die SATA-Schnittstelle nicht möglich war, wurden die zugänglichen Speicherbereiche über einen spezialisierten Laborzugang ausgelesen.
Erstellung eines Arbeitsabbilds
Aus den lesbaren Bereichen wurde ein Arbeitsabbild erstellt. Sämtliche weiteren Analysen wurden auf dieser Kopie durchgeführt, um das Originalmedium nicht zusätzlich zu belasten.
Rekonstruktion der Datenzuordnung
Die erfassten Rohdaten wurden analysiert und entsprechend der internen Speicherlogik zusammengesetzt. Dabei mussten beschädigte Verwaltungsstrukturen teilweise rekonstruiert werden.
Wiederherstellung des Dateisystems
Nach der Rekonstruktion der Datenzuordnung konnten Partitionen, Ordnerstrukturen und Dateien wiederhergestellt werden.
Ergebnis: 918 GB Geschäftsdaten wiederhergestellt
Von rund 930 GB belegtem Speicherplatz konnten etwa 918 GB in das Wiederherstellungsergebnis übernommen werden. Dies entspricht bezogen auf das belegte Datenvolumen einer Quote von ungefähr 98,7 Prozent.
Die vom Kunden priorisierten Geschäftsdaten waren vollständig nutzbar. Rund 12 GB konnten aufgrund beschädigter oder nicht eindeutig rekonstruierbarer Speicherbereiche nicht wiederhergestellt werden.
Die wiederhergestellten Dateien wurden auf Lesbarkeit geprüft und anschließend auf einem separaten Datenträger bereitgestellt.
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Wichtiger Hinweis zu gelöschten SSD-Daten
Bei diesem Fall standen vorhandene Geschäftsdaten auf einer nicht erkannten SSD im Mittelpunkt. Bei bereits gelöschten Dateien besteht zusätzlich ein besonderes Risiko.
Betriebssysteme können gelöschte Speicherbereiche über den TRIM-Befehl freigeben. Die SSD kann diese Bereiche anschließend im Rahmen interner Verwaltungsprozesse bereinigen. Dadurch kann eine spätere Wiederherstellung erheblich erschwert oder vollständig unmöglich werden.
Deshalb sollten SSDs nach einem Datenverlust nicht weiter verwendet, nicht initialisiert und möglichst nicht erneut gestartet werden.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag Gelöschte Dateien auf einer SSD wiederherstellen.
Fazit
Auch bei schwerwiegenden Controller- und Verwaltungsproblemen können auf nicht erkannten SSDs noch viele Daten vorhanden sein.
In diesem Fall konnten rund 918 GB erfolgreich wiederhergestellt werden. Bei ähnlichen Ausfällen sollte die SSD nicht weiter genutzt und professionell geprüft werden.
Häufig gestellte Fragen
Kann ein Stromausfall eine SSD beschädigen?
Ja. Eine plötzliche Stromunterbrechung oder eine Spannungsspitze kann elektronische Komponenten, den Controller oder laufende interne Verwaltungsprozesse beeinträchtigen. Nicht jeder zeitlich zusammenhängende SSD-Ausfall lässt sich jedoch eindeutig auf den Stromausfall zurückführen.
Können Daten gerettet werden, wenn die SSD nicht im BIOS erscheint?
Das ist grundsätzlich möglich. Entscheidend sind der Zustand des Controllers, der Firmware, der NAND-Speicherbereiche und der internen Verwaltungsstrukturen. Eine fehlende BIOS-Erkennung bedeutet nicht automatisch, dass alle Daten verloren sind.
Warum wird die SSD auch über einen externen Adapter nicht erkannt?
Ein SATA-USB-Adapter verändert lediglich die Anschlussart. Wenn die SSD selbst nicht mehr initialisiert oder der Controller nicht korrekt arbeitet, kann sie auch über USB nicht erkannt werden.
Sollte eine nicht erkannte SSD initialisiert werden?
Nein. Eine Initialisierung, Formatierung oder Reparatur kann vorhandene Strukturen verändern und die spätere Datenrettung erschweren.